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50 Jahre Klosterkonzerte Maulbronn

Die Klosterkonzerte Maulbronn entstanden 1968 aus einer Bachwoche und gehören heute zu den bedeutendsten Musikfestivals in Baden-Württemberg. 2018 feierten wir 50 Jahre Klosterkonzerte Maulbronn.

 

Am idealen Ort interpretierte Musikwerke - 50 Jahre Klosterkonzerte Maulbronn

von Eckehard Uhlig

Dieser Text erschien erstmals in der Konzertbroschüre zur Jubiläumssaison 2018.

Er schritt »voll hoher Erwartung und Bereitschaft« durch das Südtor und war »sofort gewonnen und bezaubert von dem gewaltig ausgedehnten Zisterzienserkloster, welches die Schule beherbergte«. So enthusiastisch beschreibt Hermann Hesse in seinem Roman »Das Glasperlenspiel« den Einzug seines Protagonisten, des »vom Geist der Musik geleiteten« begabten Schülers Josef Knecht, in eine mittelalterliche, Maulbronn auffallend gleichende Klosterschule. Hier widmeten sich in ganz besonderer Weise Musikmeister und ihre Schüler der »mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur ausgestatteten kastalischen Welt« – gaben sich an Kastalias Quelle zu Füßen des Musenparnass dem Singen und Spiel der Instrumente hin.

Als »Magister Musicae« mit erzieherischer Mission darf der eigentliche Begründer der nunmehr ihr fünfzigjähriges Bestehen feiernden »Klosterkonzerte Maulbronn« bezeichnet werden: Kirchenmusikdirektor Martin Süße war im Dezember 1945 als Musiklehrer in das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Räumen des Maulbronner Klosters eröffnete Evangelische Seminar eingetreten und hatte gleichzeitig das Amt des Kantors der Maulbronner Kirchengemeinde übernommen. Die enge Verbindung beider Ämter ermöglichte bald den Aufbau einer Kantorei, eines Kirchenchores, der sich aus einem Stamm von Sängerinnen und Sängern aus der Klosterstadt und ihrer Umgebung sowie aus aktuellen und ehemaligen Seminaristen zusammensetzte. Man begleitete Gottesdienste in der Klosterkirche und führte bereits anspruchsvolle geistliche Musikwerke auf.

In Briefen hat Süße die Anfänge des heutigen »Musikfestivals im Weltkulturerbe«, das inzwischen Tausende von musikbegeisterten Besuchern anzieht, auf seine ganz eigene bescheidene Art nachgezeichnet. Die jugendbewegte Poesie dieser liebenswerten Texte, ihr schlichter Ton berühren noch immer. »Ich hatte vor 25 Jahren«, schreibt Süße am 18. Dezember 1970, »mit einer begeisterungsfähigen Jugend ganz klein angefangen: Zuerst Noten abschreiben, danach ein Chörle gründen, dann einige Singwanderungen zu Fuß oder mit alten Fahrrädern in die nähere Umgebung auf die Dörfer. Und dann entdeckten wir, daß es möglich ist, im Kloster zu musizieren.« Die ersten Gehversuche 1968 firmierten noch unter »Maulbronner Bachtage« und boten fünf Konzerte, die ganz dem barocken Großmeister und seinen Söhnen gewidmet waren. Das Programm der erstmals im Folgejahr so benannten »Klosterkonzerte« präsentierte bald Namen, die zur internationalen Musiker–Elite zählten. Unter der Leitung von Helmuth Rilling (eines ehemaligen Seminaristen!) brachten die Gächinger Kantorei und das Stuttgarter Bach–Collegium in der Zisterzienserkirche mehrere Motetten von Johann Sebastian Bach zu Gehör: »Singet dem Herrn!« Vor allem: Unter Martin Süße fanden große Oratorien–Aufführungen in der Klosterkirche statt – 1968 Bachs »Matthäuspassion« mit hervorragenden Vokal- und Instrumentalsolisten, dem »Orchester aus Freunden des Seminars« und den Kirchenchören Maulbronn und Wurmberg, 1970 »Ein deutsches Requiem« von Brahms. Alles zur Freude des Publikums, aber auch der aktiv Mitwirkenden, aus deren Reihen viel Lob über Gemeinschaftsgeist und Süßes Engagement zu hören war. Eintrittskarten waren zu sechs und zu acht, Schülerkarten zu vier Mark zu haben. Der Eintritt zu den Orgelkonzerten, die der Kantor selbst bestritt, war frei.

Von den hochkarätigen Maulbronner Musikereignissen unter Süßes Ägide seien nur wenige erwähnt. 1969 gab es im Laienrefektorium bei Kerzenschein einen Mozart–Serenaden–Abend mit Li Stadelmann aus München, die einen historischen »Mozart–Flügel« mitgebracht hatte, und dem Geiger György Terebesi aus Pforzheim. Kaum zu glauben: 1975 konnten die Maulbronn–Besucher die berühmte Sopranistin Gloria Davy bejubeln, die mit Gershwins »Porgy and Bess« ihre Karriere furios begonnen hatte. Eine kaum vorauszusehende Entwicklung war eingetreten. Nach seiner Pensionierung im Februar 1979 konnte Süße ein gut bestelltes Haus an seine(n) Nachfolger übergeben. Kirchen- und Konzertmusik hatten zu einem Kraftzentrum zusammengefunden und sich zu einem kulturellen Leuchtturm entwickelt.

Als Jürgen Budday, der neue Seminar–Musiklehrer, und seine Frau Erika noch Anfang des Jahres ihren Dienst in Maulbronn antraten, brachten sie einen arbeitsteiligen Vorteil mit: Zusätzlich zum Schuldienst übernahm er die Leitung der Kantorei und der Klosterkonzerte, sie als Bezirkskantorin und ausgezeichnete Organistin die Orgelstelle sowie die weiteren kirchlichen Kantoreiaufgaben, darunter auch die Jugendchorarbeit. Selbstverständlich wirkte Erika Budday bei zahlreichen Konzertaufführungen aktiv mit, steuerte eine beachtliche Zahl von Orgelkonzerten zu den Programmen bei und war auch sonst helfend zur Stelle, nicht nur bei Chorproben als »begleitendes Orchester« am Klavier.

Bereits am 20. Mai 1979 gelang Budday mit der Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium »Der Messias« ein begeistert aufgenommenes Debüt. Ein Kritiker schrieb: »Man kann die Maulbronner zu diesem Mann nur beglückwünschen und darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.« Die stürmische Aufwärtsentwicklung und enormen Weitungen des Maulbronner Konzertgeschehens sind Jürgen Buddays Impulsen und kreativen Ideen zu verdanken. In seiner ereignisreichen Wirkenszeit blieb die Chormusik, deren Maulbronner Tradition bis auf den heutigen Tag von dem erfrischenden Element seiner Seminaristen und Freizeitchoristen immer wieder neu belebt wird, geistiges Zentrum und Herzkammer des Musikfestivals im Weltkulturerbe. Oratorien, Passionsmusiken und Totenmessen, die in festlichem Rahmen von der Kantorei Maulbronn zusammen mit namhaften Gesangssolisten und Instrumentalensembles unter Buddays Leitung aufgeführt wurden, bestimmten die thematische Mitte der Programme.

Zum 20. Jubeljahr des jetzt von Mitte Mai bis Ende September durchgeführten Festivals erschien 1988 ein Programmheft mit 20 Konzerten. Darunter waren eine sehr intime Barockmusik für Flöten, Laute und Gesang im Kapitelsaal des Klosters, »Romantische Cellomusik « im Oratorium, die h–Moll–Messe von Johann Sebastian Bach und Orgelkonzerte in der Klosterkirche, ein Gastauftritt des A–Cappella–Ensembles The King's Singers mit geistlicher Musik des Barock und Spirituals, ein Konzert mit dem Startrompeter Ludwig Güttler und seinen Virtuosi Saxoniae sowie im Laienrefektorium ein fulminanter Klavierabend mit dem Tastenlöwen Michael Ponti.

Schon 1983 war mit durchschnittlich 611 Besuchern pro Konzert ein Rekordstand erreicht. Musikfreunde lieben die Atmosphäre der unterschiedlichsten Klangräume bei abendlichem Kerzenschein im Zisterzienserkloster und das historische Gedächtnis in den Gebäuden, die wie Erlebnisspeicher wirken. Nirgends lassen sich meditatives Einssein von Empfindung und Rhythmus mit den Schwingungen des sakralen Raumes so intensiv erspüren wie in Maulbronn. Wo könnte man sich besser in den Geist einer Musik hineinversetzen als in den Bauwerken, die gleichzeitig mit ihr entstanden sind? Beispielsweise in die 1992 mit wunderbarer Empathie vom Ensemble Sarband vorgetragenen Lieder der heiligen Hildegard von Bingen oder in die 1995 vom Hilliard–Vokalensemble in der Klosterkirche gesungenen gregorianischen Choräle? So verheißen die hier am idealen Ort wiedergegebenen Musikwerke Glücksmomente des Verstehens, die zum zeitlosen Besitz eines Menschen gehören.

Trotz steigender Konzert- und Besucherzahlen blieben die Klosterkonzerte immer eine Konzertreihe, die vom persönlichen Engagement der Verantwortlichen und Beteiligten lebt. Der Dienst an der Abendkasse, Ordneraufgaben, Auf- und Abbau der Stuhlreihen und zahllose kleinere Dienstleistungen wurden (und werden bis heute) ehrenamtlich von Seminaristen, Lehrkräften, Chormitgliedern und weiteren Freiwilligen erbracht.

Eine folgenreiche Großtat Buddays war die Gründung des Maulbronner Kammerchores mit bis zu 45 aus dem Sängerpool von Kantorei und Seminar ausgewählten Choristen im Jahre 1983. Mit dem zusätzlichen Vokalensemble erreichte der Chorgesang in Maulbronn ein an professionelle Ensembles heranreichendes Niveau. Für den Zyklus seiner Händel–Oratorien (Jephtha, Judas Maccabäus, Saul, Solomon, Belshazzar, Messiah, Messias in Mozart–Bearbeitung und Israel in Egypt), den dieser exzellente, vielfach mit Preisen ausgezeichnete Chor von 1993 bis 2012 in historisch informierter Aufführungspraxis und englischer Originalsprache bei den Klosterkonzerten präsentierte, standen nicht nur hervorragende Instrumentalensembles (insbesondere die Hannoversche Hofkapelle) zur Verfügung, sondern auch die Crème de la Crème der (englischen) Oratoriensänger, etwa 1997 zur Jubelfeier »850 Jahre Kloster Maulbronn« für Händels »Joshua« der noble Altus Charles Humphries, der Tenor Julian Podger, der Bass Alan Ewing und die Sopranistin Emma Kirkby, die Primadonna assoluta des barocken Sologesangs. Vor allem für diesen ambitionierten Aufführungsmarathon, der auch in der Reihe »Edition Kloster Maulbronn« in hochwertigen CD–Aufnahmen erschien, wurde Budday zum Professor ernannt und erhielt in der Nachfolge Helmuth Rillings den renommierten Georg–Friedrich–Händel–Ring verliehen.

Die andere Großtat des künstlerischen Leiters der Klosterkonzerte war 250 Jahre nach Johann Sebastian Bachs Tod die Gründung der Veranstaltungsfolge musica sacra im Sommer 2000 als sinnfällige Verbindung von Gottesdienst und geistlicher Musik am exponierten spirituellen Ort der Klosterklausur: »Singet dem Herrn ein neues Lied!« Im Gründungsjahr zelebrierten die Gothic Voices mit Chorälen und Gesängen der Zisterzienser »Das Testament des Heiligen Gregor«. Ein Schmankerl für Hermann–Hesse–Fans hielt die musica sacra 2002 bereit – ein Auftragswerk zum 175. Geburtstag des Dichters und einstigen Maulbronner Seminaristen: Matthias Bonitz' Tondichtung »Siddharta« für Violoncello und Orchester. Das Cello spielte Julius Berger, begleitet von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Im Jahr 2004 interpretierte im Rahmen der musica sacra die Bayerische Kammerphilharmonie die Orchesterfassung von Joseph Haydns Passionsmusik »Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz«, begleitet von Meditationen von und mit Walter Jens, dem letzten öffentlichen Auftritt des Tübinger Rhetorikprofessors.

Aus der Fülle kammermusikalischer Leckerbissen, die in Buddays Ära zu goutieren waren, seien nur wenige exemplarisch genannt. Da gab es Liederabende mit dem Countertenor Michael Chance, dem »Orpheus aus Cambridge« (1990 und 1998), mit Gundula Janowitz (1994) und Peter Schreier (1999 und 2001). Pianisten von Format musizierten in Maulbronn, darunter Cyprien Katsaris (1996 und 2006) und der geniale Andrei Gavrilov (1999). Erstmals 2001 gab Bernd Glemser (mit Klaviersonaten von Beethoven und Schubert) seine Visitenkarte ab, der dann regelmäßig bei den Klosterkonzerten musizierte, 2006 zum »Permanent Artist in Residence« berufen wurde und seitdem in den Räumen des Seminars alljährlich im August mit Klavierstudenten Meisterkurse abhält. Geigerinnen und Geiger, die zur Elite ihres Faches zählen, gaben sich die Klinken zu den Klostertüren und –toren in die Hand, unter anderem Igor Oistrakh (2002), Gidon Kremer (2008) und mehrfach Midori (z.B. 2010). Die Klarinettisten Sharon Kam und die Geschwister Sabine und Wolfgang Meyer interpretierten jeweils mit unterschiedlichen Klangstimmungen Mozarts Klarinettenkonzert. Am Cello begeisterten Boris Pergamenschikow mit Bach–Sonaten (1999) und Sol Gabetta in Beethovens Tripelkonzert (2010). Hinzu kamen Orgelkonzerte, darunter mit Günther Kaunzinger, der am königlichen Instrument virtuos improvisierte, und Daniel Zaretsky aus Petersburg. Das Artemis–Quartett spielte 1997 Streichquartette von Mozart und Beethoven, das Amati–Quartett 1999 von Haydn, Schubert und Janácek. Die Aufzählung bedeutendster Musikinterpreten und Künstler, die sich bei den Klosterkonzerten vorstellten, ließe sich endlos fortsetzen und liest sich wie ein »Who is who« der Musikwelt.

Sensationell sind die Aufführungsreihen zu nennen. 2011 präsentierte das Mandelring Quartett alle 15 Streichquartette von Schostakowitsch. 2003 interpretierte Frank Peter Zimmermann an zwei Abenden mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn sämtliche Mozart–Violinkonzerte, 2004 Bernd Glemser und die Polnische Kammerphilharmonie alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven. Allerlei zwischen E– und U–Musik changierende Crossover–Konzerte und phantasievoll ausgestaltete Aufführungsexperimente setzten farbintensive Akzente in den facettenreichen Programmen. Häufiger war Giora Feidman mit seinen Klarinetten zu hören, 2001 mit »Bach meets Klezmer«. Diverse Blechbläserformationen spielten traditionelle und moderne Kompositionen, 2011 spannte German Brass den Bogen von der Klassik bis zum Dixieland–Jazz. Nicht nur einmal gab es Musikkabarett mit Werner Thomas–Mifune und seinen Philharmonischen Cellisten, 2008 beim Freilicht-Sommerfest »Klassik am Tiefen See« war auch Dieter Hildebrandt mit von der Partie. Bei diesem Fest – man feierte »40 Jahre Klosterkonzerte« – leiteten Händels Wasser- und Feuerwerksmusik ein mitternächtliches Böller- und Brillantraketenspektakel vor großem Publikum ein. Mit leiseren aber genauso freundlichen Tönen erfreute der Kammerchor bei Wandelkonzerten durch alle Räume des Klosters (1996) und bei Wanderkonzerten bis in Maulbronns Nachbardörfer (regelmäßig ab 2002).

2008 leitete die Neugestaltung der Programmhefte in repräsentativem Querformat eine längere Umbruchphase für die Klosterkonzerte Maulbronn ein. Die von Britt Mogge redaktionell gestalteten Broschüren sind schon wegen der darin enthaltenen, von Uta Süße–Krause künstlerisch fotografierten Kloster–Motive zum Sammlerobjekt geworden. Freilich, die aus Gründen restaurativer Notwendigkeiten von den Denkmalschutzbehörden verlangte Schließung der Klosterkirche im Jahre 2011 und die weiteren sich bis 2013 hinziehenden baulichen Maßnahmen hatten quantitativ reduzierte Programme und räumliche Alternativen zur Folge. Erika Buddays Orgelkonzerte fanden auf dem kleinen Instrument in der Winterkirche statt und der Kammerchor gab Konzerte im Herrenrefektorium. Dann meldete das Evangelische Gemeindeblatt in Nr. 43 (2013) unter der Schlagzeile »Schweres Zerwürfnis« einen »Eklat bei den Maulbronner Klosterkonzerten«.

Als Professor Budday 2012 aus dem Seminar–Schuldienst ausschied, war es darum gegangen, eine neue Struktur mit Budday für die Klosterkonzerte zu finden. Verwaltungs- und Organisationsaufwand hatten einen immensen Umfang angenommen, auf der Tagesordnung stand die Einrichtung der Vollzeitstelle eines Konzertmanagers. Darüber, auch über konträre Auffassungen hinsichtlich der Zuständigkeiten verschiedener kirchlicher Gremien kam es zu unüberbrückbaren Differenzen. Das Ergebnis waren – Zeichen des Protests und der Resignation – Rücktritte des langjährigen künstlerischen Leiters Jürgen Budday und aller gewählten Vorstandsmitglieder des Kirchenvereins Maulbronner Klosterkonzerte. Die Musikfreunde in der ganzen Region fürchteten um den Fortbestand des einzigartigen Musikfestivals. Der langfristig als Nachfolger designierte junge Seminarmusiklehrer Sebastian Eberhardt, selbst ehemaliger Seminarist und Budday–Schüler, musste früher als geplant die Leitung der Klosterkonzerte übernehmen und ging mutig zupackend ans Werk.

Noch einmal begeisterte Jürgen Budday als Dirigent mit seinem Kammerchor beim Abschiedskonzert im Juni 2016 in der Klosterkirche. Das Publikum feierte den Maestro am Pult für die prächtig leuchtende Wiedergabe von Johann Sebastian Bachs Messe in h–Moll und sein jahrzehntelanges segensreiches Wirken in Maulbronn mit Standing Ovations. Zum Nachfolger in der Leitung des wunderbaren Kammerchores wurde 2016 ein ebenfalls ehemaliger Seminarist, aktives Chormitglied und Budday-Schüler gewählt – der jung schon erfolgreiche Chordirigent Benjamin Hartmann.

Am frisch aufpolierten Glanz der »neuen« Klosterkonzerte durfte sich das Publikum schon 2014 erfreuen, als der mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter Timo Handschuh musizierende Flötist Michael Martin Kofler mit seiner furiosen Wiedergabe von Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G–Dur Begeisterungsstürme auslöste. Mit 27 Konzertangeboten wurde 2017 die Zahl früherer Spielzeiten wieder erreicht. Beeindruckende Choronzerte in der Klosterkirche deuteten an, dass Hartmann und seine Choristen auch eher selten zu hörende geistliche Werke für die Klosterkonzerte erschließen wollten: Zum Saisonabschluss sang das Ensemble Gabriel Faurés »Requiem« und »Cantique de Jean Racine« sowie Francis Poulencs »Stabat Mater«.

Doch das wirkungsmächtigste Projekt und die Krone der letztjährigen Konzertsaison blieb Sebastian Eberhardt und seinem Chor des Evangelischen Seminars vorbehalten. Sich auf die Anfänge der Klosterkonzerte zurückbesinnend, führten er und seine jugendlichen Sängerinnen und Sänger die eigens zum Reformationsjahr von Karsten Gundermann unter Verwendung von Originaltexten geschriebene und komponierte »Oratorische Disputation zwischen Martin Luther und Erasmus von Rotterdam« über »Des Menschen Wille« auf. Enthusiastische Berichte aus der Probenzeit, die ein Radiofeature im Deutschlandfunk dokumentierte, und an der der Komponist sowie die beiden Kontrahenten (der Tenor Marcus Ullmann als Erasmus und der Bassist Frank Wörner als Luther) engagiert teilnahmen, schildern die Fülle der Anregungen und Erfahrungen, die die Seminarschüler – sich austauschend und diskutierend – erleben durften. Die Uraufführungsgeschichte dieses Oratoriums hielt also nicht nur Glaubenseinsichten und den Hörgenuss für die Konzertbesucher bereit, sondern geistliche Schätze fürs Leben.

Es gibt gewiss in Deutschland nur wenige Musiklehrer, die neben ihren Unterrichtsverpflichtungen solch außergewöhnliche Leistungen vorweisen können wie der 2001 verstorbene Kirchenmusikdirektor Martin Süße, wie Professor Jürgen Budday und wie der mit frischer Schaffenskraft angetretene neue Seminarmusiklehrer und Festivalleiter Sebastian Eberhardt. Wenn die Verantwortlichen der Maulbronner Klosterkonzerte weiterhin im Sinne der Musikmeister des Glasperlenspiels verfahren, demütig ihren »an Verantwortung schweren Dienst« ausüben, und »die Musik als einen Weg zum höchsten Ziel des Menschen, zur inneren Freiheit, zur Reinheit, zur Vollkommenheit« begreifen, werden sich ausübende Künstler und ihre Zuhörer »immer mehr durchdringen, verwandeln und läutern lassen«. Dann braucht niemandem für die Zukunft dieser phantastischen Musikszene in Josef Knechts kastalischer Welt bange sein.

Ad multos annos.

 

Eckehard Uhlig, von Jugend an begeisterter Chorsänger, war von 1973 bis 2008 als Lehrer für Deutsch, Politik und Geschichte am Melanchthon-Gymnasium und Edith-Stein-Gymnasium Bretten tätig. Seine erste Stelle trat er 1971 am Progymnasium Maulbronn an. Seit diesem Zeitpunkt begleitet er die Klosterkonzerte, zunächst als Besucher und seit 1984 auch als regelmäßiger Zeitungsrezensent.

 

Alle seit 1968 bei den Klosterkonzerten Maulbronn aufgetretenen Künstler finden Sie hier.